Von Máxima Binder
Das Thema des bedingungslosen Grundeinkommens (BGE) bleibt nach wie vor aktuell. Deshalb lohnt sich auch eine Auseinandersetzung damit: Am Dienstag fand dazu ein Workshop im Rahmen der „Wochen zur Demokratie“ statt. Geleitet hat diesen Dr. Annekatrin Meißner vom Institut für angewandte Ethik der Uni Passau.
Das bedingungslose Grundeinkommen ist ein Konzept, nach dem jeder Mensch regelmäßig einen festen Geldbetrag vom Staat erhält – ohne Gegenleistung, Bedürftigkeitsprüfung oder Arbeitsverpflichtung. Ziel ist es, die Existenz unabhängig von Erwerbsarbeit zu sichern und damit Freiheit, Chancengleichheit und gesellschaftliche Teilhabe zu fördern. Das Grundeinkommen würde allen Bürgern zustehen – vom Studierenden bis zur Rentnerin. Befürworter sehen darin eine Antwort auf zunehmende Automatisierung und soziale Ungleichheit, Kritiker hingegen warnen vor unklarer Finanzierung und möglichen Fehlanreizen aufdem Arbeitsmarkt.
Im Rahmen eines Workshops der Wochen zur Demokratie unter der Leitung von Dr. Annekatrin Meißner vom Institut fürAngewandte Ethik der Universität Passau wurde in Passau ein Diskussionsraum geschaffen, in dem Kleingruppen verschiedene Gerechtigkeitsperspektiven reflektierten. Zu Beginn wurde jeder Teilnehmer gefragt, was er mit dem Geld machen würde, wenn es ab morgen ein Grundeinkommen gäbe. Dabei wurde deutlich, dass es – je nach Generation – unterschiedliche Bedürfnisse gibt.
Jüngere, meist studierende Personen würden mit dem Geld mehr reisen und bewusster Lebensmittel einkaufen, da hochwertige Produkte oft sehr kostspielig sind. Im Gegensatz dazu gaben ältere Teilnehmende an, das Geld eher spenden zu wollen. Eines jedoch hatten alle gemeinsam: Sowohl Jung als auch Alt würden sich gerne stärker ehrenamtlich engagieren.
Das zeigt, dass viele Menschen derzeit Berufe ausüben, die sie hauptsächlich des Geldes wegen gewählt haben. Ein Grundeinkommen könnte ermöglichen, auch weniger gut bezahlte, aber gesellschaftlich wertvolle Tätigkeiten auszuüben – also jene Arbeit, die man aus Überzeugung und Freude tut, nicht aus finanzieller Notwendigkeit.
Anschließend beschäftigte sich jede Gruppe unter der Moderation der Studierenden aus dem Seminar „Fragen der globalen Ethik in ausgewählten Politikfeldern der EU“ mit der Frage, was Gerechtigkeit überhaupt bedeutet. Dabei wurde schnell deutlich, dass das Thema äußerst vielschichtig ist und eng mit unserem politischen System und der Demokratie verbunden bleibt.
Es wurden Fragen aufgeworfen wie: Was ist überhaupt gerecht in unserer Demokratie? Ist unser Arbeitssystem gerecht? Zur Verdeutlichung der unterschiedlichen Gerechtigkeitsvorstellungen wurde die Parabel des indischen Philosophen Amartya Sen herangezogen. Sie zeigt, wie verschieden Begründungen für „Gerechtigkeit“ sein können:
Die Überlegungen dazu übertrugen die Gruppen anschließend auf das Thema des bedingungslosen Grundeinkommens. Dabei diskutierten sie, ob ein solches Einkommen eher als gerechter Ausgleich sozialer Ungleichheiten verstanden werden kann – oder ob es bestehende Ungerechtigkeiten möglicherweise verstärken würde.
Viele Teilnehmende stellten fest, dass die Diskussion weit über ökonomische Fragen hinausgeht und mit dem Verständnis von Demokratie, Arbeit und sozialer Verantwortung verknüpft ist. Deutlich wurde auch, dass unser aktuelles Lohn- und Arbeitssystem erhebliche Ungleichheiten aufweist – etwa zwischen Männern und Frauen oder zwischen systemrelevanten und hochbezahlten, aber weniger gesellschaftlich notwendigen Tätigkeiten.
Am Ende des Workshops blieb vor allem eines: Nachdenklichkeit – teils sogar Traurigkeit über die Erkenntnis, in welchem System wir leben.
